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Internationale Studiengänge der Bonner Romanistik

Deutsch-Französische Studien
www.dfs.uni-bonn.de

Deutsch-Italienische Studien
www.dis.uni-bonn.de

M.A. Renaissance-Studien
www.renaissance-studien.uni-bonn.de

M.A. Spanische Kultur und europäische Identität
www.spanische-kultur-in-europa.uni-bonn.de

 

 
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Historie

Zur Geschichte des Romanischen Seminars Bonn

Friedrich Diez

Die Romanische Philologie entstand aus der romantischen Begeisterung für die Kulturen der romanischen Länder und für die Literatur des Mittelalters zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Bonn: Urheber war der Philologe Friedrich Diez, ab 1825 Professor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Er verfasste bahnbrechende Arbeiten zur provenzalischen Literaturgeschichte (Die Poesie der Troubadours, 1826; Leben und Werke der Troubadours, 1829) und bewies mit seiner Grammatik der romanischen Sprachen (3 Bde., 1836-1844), dass alle romanischen Sprachen auf das sogenannte Vulgärlatein zurückgehen. Sein Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen (2 Bde., 1853) legte darüber hinaus den Grund zu vielfältigen sprachwissenschaftlichen Forschungen der Folgezeit.

Sein Nachfolger Wendelin Foerster gründete an der Universität Bonn, dem damaligen "Mekka aller deutschen Philologen", 1878 das "Königliche romanische Seminar" als erstes Universitätsinstitut dieser Disziplin überhaupt. Es widmete sich der Erforschung der Sprachen, die sich aus dem Lateinischen entwickelt haben. Dazu wurde aus alten Handschriften Minnelyrik und Ritterepik kopiert, man trieb Sprachstudien und erstellte Wörterbücher, um die Texte übersetzen und ihnen den Platz in der Literaturgeschichte zuweisen zu können. Getragen wurde die neue philologische Disziplin von der Idee einer geistigen Einheit der Romania. Die Strahlkraft der Bonner Romanistik reichte über die Grenzen hinaus: Der Literatur-Nobelpreisträger Luigi Pirandello promovierte von 1889 bis 1891 im Fach Romanische Philologie in Bonn.

Im 20. Jahrhundert war es Ernst Robert Curtius, der die Geschicke der Romanischen Philologie ganz wesentlich mitgeprägt hat. Er fand das Zentrum seines wissenschaftlichen Wirkens am Romanischen Seminar der Universität Bonn: Zunächst als Privatdozent und außerplanmäßiger Professor von 1914 bis 1920 - mit kriegsbedingten Unterbrechungen - und von 1929 bis zu seiner Emeritierung 1951 als ordentlicher Professor für Romanische, später auch Mittellateinische Philologie. In seinem 1919 erschienenen Werk Die literarischen Wegbereiter des neuen Frankreich unternahm er den Versuch, dem deutschen Publikum sein durch Nationalhass und Vorurteile entstelltes Frankreichbild durch den Hinweis auf den literarischen Aufbruch der Generation von Romain Rolland, André Gide und Paul Claudel in Frankreich zurecht zu rücken. In den dreißiger Jahren zunehmend isoliert aufgrund seines Eintretens gegen den Nationalsozialismus (Deutscher Geist in Gefahr, 1932), wandte er sich den Epochen der Vergangenheit zu. Sein mehrfach übersetztes und elf Mal aufgelegtes Hauptwerk Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter (1. Aufl. 1948) wies zu einem Zeitpunkt, als Europa in Schutt und Asche lag, den Weg für eine Kultur, die, von der Antike an das Mittelalter vermittelt, durch Jahrtausende hindurch Europa prägte, als gemeinsame Basis aller europäischen Nationalliteraturen und -kulturen.

Leo Spitzer, der in jungen Jahren am Romanischen Seminar der Universität Bonn lehrte, verband als Stilanalytiker literaturwissenschaftliche und linguistische Aspekte zu werkimmanenten Interpretationen. Der bedeutende Sprachwissenschaftler Wilhelm Meyer-Lübke brachte die romanische Sprachwissenschaft mit seiner Historischen Grammatik der französischen Sprache und seiner Abhandlung über Das Katalanische voran und begann mit der Arbeit am Romanischen etymologischen Wörterbuch, die von Harri Meier, exzellenter Kenner der Iberoromania, nach dem Krieg fortgeführt wurde.

1952 wurde das Institut français in unmittelbarer Nähe des Universitäts-Hauptgebäudes gegründet mit der Aufgabe, "eine Vitrine der französischen Kultur zu sein" und "der deutsch-französischen Annäherung zu dienen". Von Anfang an gab es eine enge Kooperation mit dem Romanischen Seminar, das in den fünfziger und sechziger Jahren in Bonn systematisch ausgebaut wurde. Endlich gehörte auch die zeitgenössische Literatur zu ihrem Forschungsgegenstand, und die Sprachwissenschaft begann, sich mit der gesprochenen Sprache zu befassen.

Lange Jahre wurden am Romanischen Seminar hauptsächlich Lehrer ausgebildet. Erst als ihre Berufsaussichten schlechter wurden, entschieden sich mehr Studierende für den Magisterstudiengang mit einem Haupt- und zwei Nebenfächern. Das Interesse der Studierenden am Romanistik-Studium geht seitdem vor allem dahin, die Sprache und Literatur Frankreichs, Italiens, Spaniens, Portugals oder Lateinamerikas kennenzulernen, um mit dem historischen Wissen die heutige Kultur und Gesellschaft besser zu verstehen und mit diesen Kenntnissen auch einen Arbeitsplatz zu finden.

Im letzten Drittel des Jahrhunderts erschlossen Willi Hirdt, Wolf-Dieter Lange, Eberhard Leube, Rafael Gutierrez Girardot, Horst Rogmann, Christian Schmitt und Heinz Jürgen Wolf dem Fach neue Schwerpunkte in Intermedialität und Interdisziplinarität und leiteten die Internationalisierung der Bonner Romanistischen Studiengänge ein. Das Romanische Seminar intensivierte die Kooperation mit dem Institut français und richtete die Ernst Robert-Curtius-Gastprofessur ein, die zu einer engen Verbindung mit dem hochrenommierten "Collège de France" in Paris führte.

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